Journalist und Waffensachverständiger

Lars Winkelsdorf

Jahrgang 1977, freier Journalist u.a. für ARD Report München, ZDF Frontal21 und die Tagesschau.

 

 

 

 

Aktuelle Pressemitteilung Nr.2

 

Bereits 2008 gab es in Hamburg einen Skandal, als die Staatsanwaltschaft Hamburg eingezogene Messer über Auktionen des Zoll wieder in den Waffenhandel abgegeben hat. Als Folge dieser politischen Diskussion wurde die StA angewiesen, Deliktswaffen grundsätzlich nicht mehr in Verkehr zu bringen.

 

Seit dem tragischen Amoklauf von Winnenden im März 2009 habe ich mehrfach und ausführlich - unter anderem bei den ARD Tagesthemen und ZDF Frontal21 – darüber berichtet, dass Behörden von Bund und Ländern ehemalige Dienstwaffen und sichergestellte Tatwaffen in den Waffenfachhandel angegeben haben. Aufgrund dieser Veröffentlichungen und der anschließenden parlamentarischen Diskussionen über diese eklatanten Verletzungen des Rechtsgrundsatzes „so wenig Waffen wie möglich in der Bevölkerung“ wurde dies mit einer Verschärfung des Waffengesetzes am 25.7.2009 geändert: Mit der neu geschaffenen Möglichkeit zur Vernichtung eingezogener Waffen wurde dafür Sorge getragen, dass Behörden eingezogene Pistolen, Revolver und Langwaffen grundsätzlich nicht mehr in den Handel abgeben müssen.

 

Vor diesem Hintergrund fand ich Anfang 2013 bei einem Hamburger Fachhändler Schusswaffen, die von der StA Hamburg als vorgebliches Eigentum verurteilter Täter wieder herausgegeben worden waren. Unmittelbar wies ich die Justizbehörde auf diese Verfehlung hin und erstattete eine hierauf gerichtete Strafanzeige. Nachdem hierauf wochenlang keinerlei Reaktion erfolgte, überbrachte ich diese Waffen schlussendlich persönlich an die verantwortliche Senatorin, um auf diesen Missstand öffentlich hinzuweisen.

 

Statt diesen Missstand jedoch zu beseitigen, setzte die StA Hamburg gegen mich als politisch investigativen Journalisten die StA 65 ein, eine Abteilung, die ausschließlich für „Organisierte Kriminalität“ zuständig ist. In 30 Monaten Ermittlungsdauer beschäftigten sich stolze sieben Staatsanwälte mit diesem Verfahren – ein Aufwand, den in Hamburg nicht einmal die „Hells Angels“ oder Mafiaclans jemals erfahren durften. Nicht etwa für einen bewaffneten Raubüberfall, den Schmuggel von mehreren Tonnen Kokain oder gar ein Tötungsdelikt sondern für die banale Konfrontation der Justizbehörde mit der Tatsache, dass Waffen – wieder einmal – in den Handel gegeben wurden.

 

Ob die Ablieferung dieser Waffen überhaupt eine Straftat darstellen kann, wird die kommende Hauptverhandlung zeigen. Es ist und bleibt jedoch zu kritisieren, dass sich die Behörde für Justiz und Gleichstellung als staatlicher Waffenhändler geriert.

 

Lars Winkelsdorf, Hamburg den 17.3.2016

 

 

Pressemitteilung

 

Aktuell gibt die Staatsanwaltschaft Hamburg Pressemeldungen heraus, wonach am Donnerstag, dem 17.3.2016, vor dem Amtsgericht Hamburg wegen eines Verstoßes gegen das WaffG die Hauptverhandlung gegen meine Person eröffnet wird. Ohne einer etwaigen Gerichtsverhandlung vorzugreifen, macht es die befremdliche Pressearbeit der StA Hamburg dennoch erforderlich, hierauf in angemessener Form zu reagieren:

 

Da meinem Verteidiger, Herrn Rechtsanwalt Uwe Maeffert, bisher keine Akteneinsicht gewährt wurde und der Termin zur Hauptverhandlung nicht mitgeteilt worden ist, ist momentan nicht ersichtlich, ob am Donnerstag überhaupt eine Verhandlung wird stattfinden können.

 

Lars Winkelsdorf, Hamburg den 14.3.2016